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Kunst
Transformationen -30 Künstler gestalten stadtbekannte Scheiben
Galerie Mathias Kampl, München, So, 23.10., 14-20 Uhr
Mitte der 1950er Jahre setzte die Maschinenturmfassade des Heizkraftwerkes in der Münchner Müllerstraße architektonische Maßstäbe - und begründete einen Wandel im deutschen Industriebau. 56 Jahre später ist die Fassade aus gefärbtem Drahtglas und Aluminium abgenommen. Erneut steht eine Veränderung an. Auf dem Gelände, auf dem schon Einstein zur Schule ging, entsteht das Wohn- und Büroquartier The Seven. 30 Glasscheiben der Turmfassade wurden jedoch aufbewahrt und 30 Künstlern aus Berlin, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Nürnberg und München übergeben. Sie näherten sich den 25 Kilo schweren und 1,50 mal 1,07 Meter großen Scheiben entsprechend ihrer künstlerischen Auffassung ganz verschieden. Ihre Gedanken über Veränderungen spiegeln die Scheiben nun wider. Zu sehen sind sie in der Ausstellung "Transformationen - 30 Künstler gestalten stadtbekannte Scheiben" vom 20. bis 23. Oktober 2011 jeweils von 14.00 bis 20.00 Uhr in der Münchner Jahnstraße 18.
Durch Primzahlen, eingeschossen in drei Drahtglasscheiben mit drei Pistolen unterschiedlicher Kaliber, interpretiert beispielsweise Wolfgang Flatz "Lehman Brothers, Ackermann & Co." Anita Edenhofer hingegen fängt die lange Jagdtradition der bayerischen Könige in "Jagdstrecke" ein - drei aus Fassadenscheiben geschnittene Schwäne, von denen jeder mit einem Einschussloch versehen ist. Das Duo Empfangshalle hat mit einem Wasserschnitt die Alpen-Silhouette, wie sie sich jahrzehntelang in der Fassade des einstigen Maschinenturms spiegelte, in einer von Neonröhren beleuchteten Glasplatte abgebildet. Peter Kees wiederum hat seine Scheibe blattvergoldet und darauf Richard Wagners Oper "Rheingold" dirigiert, die 1869 im Münchner Nationaltheater uraufgeführt wurde. Adrian Wald zeichnet in kraftvollem Grün und Blau eine Momentaufnahme aus dem Jahr 2008 vom Turm des einstigen Heizkraftwerkes wider. Eva Blanché hat die spezielle Fensterglasstruktur und den innenliegenden Draht in ihrer zweiteiligen "Variation in Strumpfhose" als erotisierendes Strumpfhosengewebe interpretiert, um so das vielseitige, ungezwungene und tolerante Flair des Gärtnerplatz-/Glockenbachviertels einzufangen. Und Jan Davidoffs durchleuchtetes Geäst spannt den Bogen zu unberührten, ursprünglichen Urwaldlandschaften.
"Die Werke der 30 Künstler sind vielfältig. Jedes Werk für sich ist ein Unikat. Nahezu alle Künstler, mit denen ich über das Projekt gesprochen habe, waren sofort von der so einfachen und doch einmaligen Idee begeistert - was der Betrachter den Arbeiten anmerkt", sagt der Münchner Galerist Mathias Kampl. Gemeinsam mit den Projektpartnern des Immobilienquartiers The Seven, alpha invest Projekt GmbH und LBBW Immobilien Capital GmbH, hat Kampl das Kunstprojekt und die zugehörige Ausstellung initiiert und organisiert. 30 Künstler aus Köln, Nürnberg, Berlin, Frankfurt Düsseldorf, Voralberg und München hat Kampl dafür gewonnen. "Mit vielen habe ich bereits gearbeitet, andere wurden mir empfohlen und wieder andere sind auf mich zugekommen, weil sie von der Idee gehört haben", erklärt Kampl, der vom Gärtnerplatzviertel aus seit fast 30 Jahren eine feste Größe im deutschen Kunstbetrieb ist.
Jörg Scheufele, Geschäftsführer der alpha invest Projekt GmbH: "Die Idee hinter dem Kunstprojekt ist es, Scheiben der Fassade des ehemaligen Maschinenturms künstlerisch zu gestalten und so die Veränderungen auf dem Areal und im Viertel vielseitig zu interpretieren. Jedes Kunstwerk ist in sich selbst bereits Zeugnis der Veränderung, wird jedoch metaphorisch zusätzlich aufgeladen. Zugleich aber sind die Werke Zeitzeugen und Dokument. Sie werden allein durch das Ausgangsmaterial immer an die langjährige Nutzung des 1950er-Jahre-Industriebaus erinnern, an seine das Stadtbild prägende Präsenz und den immer währenden Wandel von Architektur."
Die Fassade selbst stellte Mitte der 1950er Jahre ein Novum im deutschen Industriebau dar. Gefertigt aus Aluminium und flaschengrün gefärbtem Glas, das als Reminiszenz an die Isar verstanden wurde, wurde sie nach dem "Curtainwall"-Prinzip vor das Gebäude gehängt. Diese Technik war damals im amerikanischen Hochhausbau zwar schon sehr präsent, für einen Industriebau aber innovativ.
"Dass sich bereits vor Ausstellungseröffnung die ersten Kaufinteressenten gemeldet haben, spricht für die Idee und für die Kunstwerke", sagt Roderick Rauert vom The Seven-Projektpartner LBBW Immobilien Capital GmbH. "An die Geschichte des Heizkraftwerkes zu erinnern und den Wandel, den jede Zeit mit sich bringt, zu interpretieren, war uns bei diesem Projekt wichtig. Zugleich aber möchten wir das Gärtnerplatzviertel in das Projekt einbinden. Deshalb werden wir einen Teil des Reinerlöses an den Bezirksausschuss übergeben, der das Geld an gemeinnützige Einrichtungen im Viertel verteilt."
Veranstaltungsort, Jahnstr. 18
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