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Ludwigsvorstadt

Ludwigsvorstadt: Ein ganzes Viertel im Ausnahmezustand


Die Ludwigsvorstadt, eigentlich ein beschauliches Wohnviertel. Doch für zwei Wochen im Jahr ist das Quartier das erklärte Zeil von über sechs Millionen Menschen. Das Oktoberfest macht die ruhige Ecke zum Nabel der Welt.

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Ruhmesallee: Von hier oben hat man das ganze Viertel im Blick - Bavaria und Wiesn inklusive.


"Uhh, uhuh, Baby!Uh, ah!" Und plötzlich nahtlos und aus 100 Kehlen: "Daa da daa da da daa da!" Die Anwohner in den Einflugschneisen der Wiesn sind wirklich nicht zu beneiden: 16 Tage lang erschallen rund um die Schiller-, Landwehr- und Goethestraße die Grölgesänge der euphorischen Wiesn-Heimkehrer noch bis weit nach Mitternacht. Dabei fing einst alles so beschaulich und auch ein bisschen romantisch an: Ein Unteroffizier der bayrischen Nationalgarde hatte die Idee, die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Hildburghausen mit einem großen Pferderennen zu feiern. Am 12. Oktober 1810 fand das Rennen statt, das den Grundstein für das von da an alljährlich stattfindende Oktoberfest legte.

Für heutige Verhältnisse unvorstellbar: Der Bierkonsum war damals auf dem Festgelände untersagt - die Besucher wichen auf die Sendlinger Anhöhe aus. Später ließ die Stadtverwaltung dann den Bierverkauf auf der Wiesn zu, was dazu führte, dass immer mehr Bretterbuden den Platz übersäten. 1896 stellte der Wirt Michael Schottenhamel schließlich das erste große Bierzelt auf. In der Zeit vor todesverachtenden Fahrgeschäften wie Power Tower, Euro Star und Olympia-Looping sah Gaudi noch ganz anders aus und erinnert heute an japanische Spielshows wie "Takeshi's Castle": Beim "Gansviertfangen" balancierten die Burschen über eine sich drehende Walze. Schafften sie es mit viel Glück bis zum Ende, galt es, ein an einer Schnur befestigtes Stück Gans zu schnappen. Neben dem Schubkarrefahren und Sackhüpfen war auch das Mus-Essen sehr beliebt, bei dem sich die Teilnehmer - zum Gaudium der Zuschauer - mit verbundenen Augen gegenseitig mit Mus fütterten. Von den frühen Attraktionen sind bis heute einige erhalten: Das "Zaubertheater" der Künstlerfamilie Schichtl erblickte im Jahre 1869 zum ersten Mal die Lichter des Oktoberfestes, und seit 1924 dreht die Krinoline ihre gemächlichen Runden. Die dazugehörige Blaskapelle hat mittlerweile sogar eine CD mit dem vielversprechenden Titel "Biermusik" aufgenommen.

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