Das Interview im Hey Luigi!
Ein Mittagessen mit ... Martin Peter
Ein Aufkleber sprach letzten Sommer vielen Glockenbachbewohnern aus der Seele. PRINZ redete mit Martin Peter, dem Mann hinter dem Sticker, über Luxuslofts und lange Nächte.
Spricht man Martin Peter auf den Gärtnerplatz an, kommt der bayrische Grantler in ihm durch: "Ich mag es gar nicht, wenn man erst mal ein Lexikon braucht, um sich eine Tasse Kaffee zu bestellen: Double-blended-Ice-cream-Soja- Macchiato, to walk? - Nein, to drink!" Nicht nur die amerikanische "Kaffeekultur" bringt Martins Blut in Wallung, auch die um sich greifenden Luxus-Sanierungen im Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel bringen ihn auf die Palme: "Überall entstehen Luxuslofts - und das in Zeiten, in denen es den Leuten schlechter geht. Und findet man dann mal drei Quadratmeter unrenovierten Hinterhof, heißt es gleich: Das ist ja toll, das ist ja wie Berlin hier." Seiner Wut über die Verhältnisse machte Peter mit einem Aufkleber Luft: Der Sticker mit dem Spruch "Mir Gärtnerplatzt der Kragen" prangte im Sommer 2008 an Stromkästen, Laternenmasten und Litfaßtafeln im Viertel. Der Aufkleber erregte die Gemüter, goß Öl in die schwelende Diskussion um die Gentrifzierung des Szene-Quartiers und sprach vielen aus der Seele.
Als DJ und Musiker, dessen Leben sich zurzeit im Umkreis von einem Kilometer - zwischen seiner Wohnung am Kapuzinerplatz, dem Club Erste Liga in der Thalkirchner Straße und seinem Studio in der Klenzestraße - abspielt, weiß er, wovon er redet. In Wollpullover und Schal sitzt er heute mitten in seinem Kiez auf seinem Stammplatz im Hey Luigi! Trotz allem ein ungewohntes Bild, denn normalerweise steht der bekennende Metal-Fan bis zum frühen Morgen im Slayer-T-Shirt hinterm DJ-Pult der Liga. Im Keller des Hipster- Ladens Spielbar/Tragbar entsteht derweilen sein neuestes Album mit dem Arbeitstitel "Southern Dump". War der Vorgänger "Enough Of This?!" noch eine "wilde Mischung aus Motörhead-Drum-Loops und Gitarrengeschrammel ohne überhaupt einen Funken nachzudenken", geht es bei seiner neuen Produktion musikalisch ausgereifter zur Sache - und mit Florian Schairer und Lauro Cress hat er sich auch gleich noch zwei echte Rocker ins Studio geholt. Im letzten Sommer packte Martin seine Sampler und Synthies ein und ging mit den Hamburger Rock-Elektronikern Digitalism auf Tour. Die Großraumhallenraver bastelten zu Beginn ihrer Karriere einen Remix für Martin und kamen anlässlich ihrer Tour durch einen Zufall wieder auf ihn zurück. "Da haben wir eine Nacht gesoffen, dann war der Deal in der Tasche." Was Martin denkt, gilt auch für so manch anderen Kreativen im Glockenbachviertel - er ist mittlerweile bereit, den ganzen Szenerummel hinter sich zu lassen: "Irgendwann einmal ziehe ich in einen Bauernhof mit Scheune und einem Riesenstudio drin, lade jedes Wochenende Leute ein und betreibe nebenher noch eine kleine Landwirtschaft".
Unser Autor Tobias Wullert betreut das Ressort Nachtleben der Münchner PRINZ-Redaktion und ist als DJ fast täglich im Glockenbachviertel unterwegs. Mit Martin Peter war er Mittagessen im: Hey Luigi!, Holzstr. 29, Glockenbach, Tel. 46 13 47 41, Mo-Fr 11-1, Sa 17-1, So 17-24 Uhr, heyluigi.de







