"Ich war ein bisserl nervös, als Föhnlage verfilmt wurde"
Ein Gespräch mit... Jörg Maurer
Sein Krimidebüt "Föhnlage" wurde vom Geheimtipp zum Bestseller, dann zur TV-Vorlage und erscheint nun auf DVD. PRINZ sprach mit Jörg Maurer über Heimat, Föhn und das Geheimnis seines Erfolgs
Herr Maurer, wie föhnfühlig sind Sie?
Gott sei Dank überhaupt nicht. Ich kenne weder die negativen noch die positiven Auswirkungen dieses Wetterphänomens. Ich habe daher viel recherchiert und Leute befragt. Ich fand es einfach schön, ein Buch unter der Föhnglocke spielen zu lassen.
Mittlerweile sind es drei: All Ihre Krimis mit Kommissar Hubertus Jennerwein spielen in Garmisch-Partenkirchen. Ist er ein Urahne des gleichnamigen Wildschütz?
Nein, der historische Jennerwein ist ja kinderlos gestorben - wobei man da schon etwas erfinden könnte. Ich wollte meinem Kommissar einen Namen geben, der ihn nervt. Wenn jemand Jennerwein heißt, dann wird auf jedem Polizeisportfest das Lied vom Wildschütz angestimmt. Das ist alles, aber irgendwann, vielleicht im zwölften Roman, könnte ich ihn ja auch mal in der Jennerwein-Sage ermitteln lassen!
Krimis, zumal Heimatkrimis, liegen im Trend, die Konkurrenz ist riesig. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Das sollten besser andere beurteilen ... Ein etwas blauäugiger, aber nützlicher Vorsatz war vielleicht, etwas zu schreiben, das ich selbst gerne lesen würde. Ich wollte Spannung und Komik zusammenbringen.
Der sogenannte Funny Crime.
Genau, im Englischen gibt's das, und das hat mich interessiert: einen spannenden Krimi zu erzählen, in dem ein ekliges, böses Verbrechen passiert, und trotzdem Situationen und Figuren zu beschreiben, die grotesk sind. Wobei ich das alles gar nicht so grotesk finde - so was kommt im Leben vor.
Und jetzt auch im Heimkino: Der Film "Föhnlage" lief kürzlich in der Heimatkrimireihe im BR und wurde auf dem Münchner Filmfest mit dem Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis ausgezeichnet. Wie gefällt er dem Autor?
Sehr gut! Wissen Sie, man ist als Autor schon ein bisserl nervös, dass vielleicht zu viel umgekrempelt wird und der Film am Ende gar nichts mehr mit dem eigenen Roman zu tun haben könnte. Aber das Ergebnis und vor allem die Schauspieler haben mich vollauf überzeugt. Martin Feifel als Kommissar, Katharina Marie Schubert, Jürgen Tonkel und Andreas Giebel in weiteren Hauptrollen - das ist durchweg ideal besetzt.
Hinter der Dienststelle im Roman gibt es eine "Bühnentür zum Glück". Wo ist diese Tür für Sie - und wie sieht es dahinter aus?
Da stelle ich mir meinen Alltag als ein Haus mit mehreren Türen vor. Es gibt zum Beispiel eine Glückstür, hinter der ich schreibe. Hinter einer anderen mache ich Musik, und hinter einer dritten habe ich Zeit zu lesen, und zwar alles - quer durch den Gemüsegarten. Sie sehen, bei mir tauchen keine Landschaften auf. Wahrscheinlich bin ich dafür zu verwöhnt, weil es in Garmisch so schön ist.
Sie haben lange in München gelebt und sind nach wie vor oft in der Stadt. Verraten Sie uns Ihren Lieblingsort?
Die Paul-Heyse-Unterführung. Ein malerisches Stück München! Rost frisst lässig an den Eisennieten, heruntergefallene Fliesen liegen einladend am Boden, manches Sammlerstück ist dabei. Hundertjähriger Beton bröckelt aus feuchten Fugen. Man trifft nette, entspannte Leute, die Unterführung ist durchgehend geöffnet - ein Ort der Inspiration!
Das Gespräch führte Tina Rausch
Jörg Maurer verließ seinen Geburtsort Garmisch- Partenkirchen, um in München Germanistik zu studieren. Er unterrichtete an Gymnasien, war zwei Jahre lang Hochschuldozent für Theatergeschichte an der Uni München und trat parallel dazu als Musikkabarettist auf. Schließlich entschied er sich für ein Leben als freier Künstler und leitete ab 1994 Jörg Maurer's Unterton, eine Kleinkunstbühne in Schwabing. Mit seinem Krimidebüt "Föhnlage" (Fischer) landete er 2009 einen Überraschungserfolg, 2010 legte er "Hochsaison" und 2011 "Niedertracht" nach. "Föhnlage" wurde vom BR verfilmt und ist unter br-shop.de auf DVD erhältlich. joergmaurer.de






